Wer prĂĽft eigentlich den Anteil des Staates am Problem?
Bemerkenswert ist nämlich die Blickrichtung der Debatte. Sehr schnell wird darüber gesprochen, welche Gewinne Unternehmen erzielen, welche davon angemessen sind und welche abgeschöpft werden sollten. Sehr viel seltener wird grundsätzlich darüber diskutiert, ob der Staat selbst auf Teile seiner erheblichen Belastung des Kraftstoffpreises verzichten könnte – und welche seiner Ausgaben dann entsprechend überprüft werden müssten.
Genau darin liegt ein politisches Muster, das weit über die Zapfsäule hinausreicht: Gerät ein System finanziell unter Druck, richtet sich der Blick erstaunlich häufig zunächst darauf, wo zusätzliches Geld mobilisiert oder wo bestehende Ausgaben begrenzt werden können. Die schwierigere Frage kommt später: Warum ist das System überhaupt in diese Lage geraten?
Und spätestens an diesem Punkt sind wir mitten im Gesundheitswesen.
„Beitragssatzstabilisierung“ klingt besser als Problemlösung
Auch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz trägt sein politisches Ziel bereits im Namen. Die Beiträge sollen stabilisiert werden. Hintergrund ist eine gewaltige Finanzierungslücke: Für 2027 wurden rund 19 Milliarden Euro prognostiziert, bis 2030 könnten es ohne Gegenmaßnahmen 44 Milliarden Euro sein.
Das Problem ist also real.
Aber eine Finanzierungslücke ist zunächst eine Bilanzgröße – keine Diagnose.
Ein Gesundheitssystem wird nicht automatisch besser, weil seine Ausgaben begrenzt werden. Eine Versorgung wird nicht bedarfsgerechter, weil VergĂĽtungen gedeckelt werden. Und Patienten werden nicht besser behandelt, weil eine politische MaĂźnahme rechnerisch den Zusatzbeitrag stabilisiert.
Wer dauerhaft nur die finanzielle Oberfläche eines Systems behandelt, riskiert etwas, das wir aus der Medizin bestens kennen: Die Symptome werden beeinflusst, während die Ursachen fortbestehen.
Unser Gesundheitswesen leidet schließlich nicht nur unter zu hohen Ausgaben. Es leidet unter Fehlsteuerung und Überversorgung ebenso wie unter Unterversorgung, unter Sektorengrenzen, Bürokratie und Fehlanreizen. Es leistet sich Doppelstrukturen und erschwert gleichzeitig innovative Versorgung. Es finanziert Leistungen, deren Nutzen fraglich ist, und macht es zugleich unnötig schwer, Leistungen dorthin zu bringen, wo Patienten sie tatsächlich benötigen.
Das alles lässt sich nicht durch einen Beitragssatz reparieren.