Chronische Schmerzen stellen uns täglich vor Grenzen. Sie nehmen uns Möglichkeiten, verändern Pläne und zwingen uns manchmal dazu, Abschied von Vorstellungen zu nehmen, die uns lange selbstverständlich erschienen. Daran gibt es nichts schönzureden. Schmerz bleibt Schmerz, und niemand sollte ihn romantisieren.
Doch neben dem eigentlichen Schmerz entsteht häufig noch ein zweiter Kampf – ein Kampf gegen die Tatsache, dass der Schmerz überhaupt existiert. Wir investieren enorme Energie in Gedanken wie: Das darf nicht sein. Warum gerade ich? Erst wenn der Schmerz verschwunden ist, kann mein Leben wieder beginnen.
Diese Gedanken sind zutiefst menschlich. Aber sie binden Kraft. Kraft, die uns anschließend für das fehlt, was trotz allem noch möglich wäre.
Vielleicht beginnt Resilienz genau an dieser Stelle.
Nicht mit Zweckoptimismus und auch nicht mit der Aufforderung, stets positiv zu denken. Resilienz beginnt dort, wo wir aufhören, unsere gesamte Energie in einen aussichtslosen Kampf gegen die Wirklichkeit zu investieren. Erst wenn wir anerkennen, wie die Situation im Moment ist, entsteht überhaupt die Freiheit, über den nächsten Schritt nachzudenken.
Für mich war diese Erkenntnis befreiend. Sie bedeutete keineswegs, meine Hoffnung auf Behandlung oder Besserung aufzugeben. Im Gegenteil. Ich nehme Medikamente in Anspruch, probiere neue therapeutische Ansätze aus und freue mich über jeden Fortschritt. Aber ich habe aufgehört, mein Leben auf die Zeit nach der Erkrankung zu verschieben.
Vielleicht ist genau das der größte Irrtum, den chronische Krankheiten uns einflüstern wollen: dass das eigentliche Leben erst dann beginnen könne, wenn sie verschwunden sind.
Doch was, wenn dieser Tag nie kommt?
Wollen wir dann wirklich warten?
Oder lohnt es sich nicht vielmehr, das Leben auch in seiner Unvollkommenheit anzunehmen und jeden Tag nach Möglichkeiten zu suchen, die trotz aller Einschränkungen bleiben?