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Deutsche Schmerzliga e.V.


DSL-Newsletter - Gesundes Wissen Online, 23.06.2026

Journalistische Recherche zu Tilidin, Benzodiazepinen und anderen Medikamenten

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde der Deutschen Schmerzliga, liebe Schmerzpatientinnen und Schmerzpatienten,

in unserem letzten Newsletter haben wir dargestellt, warum bei der Diskussion über starke Schmerzmittel zwischen medizinischer Anwendung, möglicher Abhängigkeitsentwicklung und missbräuchlichem Konsum unterschieden werden muss.

Anlass hierfür war nicht nur die Veröffentlichung des Abschlussberichtes der mit finanzieller Unterstützung von GB-A und Innovationsfonds durchgeführten Versorgungsforschungsstudie Op-US, sondern auch eine aktuelle Aktion von CORRECTIV und DER SPIEGEL, über die wir Sie heute informieren möchten.

Worum geht es?

CORRECTIV und DER SPIEGEL recherchieren derzeit zu Tilidin, Benzodiazepinen und anderen Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial. Hierzu veröffentlichten sie eine Umfrage, an der Betroffene, Angehörige, Fachleute sowie Personen aus dem Bereich der Suchthilfe teilnehmen können.

Nach Angaben der Journalistinnen und Journalisten sollen dabei Informationen über Konsummuster, mögliche Missbrauchsformen, Versorgungsstrukturen sowie wirtschaftliche Hintergründe gesammelt werden.

Grundsätzlich gehören solche Recherchen zu den wichtigen Aufgaben unabhängiger Medien. Medikamentenmissbrauch, Suchterkrankungen und mögliche Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen sind Themen von öffentlichem Interesse und sollten sachlich untersucht werden.

Ob allerdings der hier seitens des Journalistenteams verfolgte Ansatz diesem Anspruch gerecht werden kann, darf aufgrund methodischer Beschränkungen des Vorgehens bezweifelt werden.

Dennoch möchten wir Sie – liebe Leserinnen und Leser unseres DSL-Newsletters – darüber informieren.

Warum wird das Thema auch unter Schmerzpatientinnen und Schmerzpatienten diskutiert?

Viele der genannten Medikamente werden nicht nur missbräuchlich konsumiert, sondern auch im Rahmen einer medizinisch notwendigen Behandlung eingesetzt.

Dies betrifft insbesondere Menschen mit chronischen Schmerzen, Tumorschmerzen, neurologischen Erkrankungen oder anderen schweren gesundheitlichen Einschränkungen.

Gerade deshalb reagieren manche Betroffene sensibel auf Berichte über Opioide oder andere Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial. Sie befürchten, dass notwendige Therapien mit missbräuchlichem Konsum gleichgesetzt werden könnten oder dass Patientinnen und Patienten unter Generalverdacht geraten.

Diese Sorge ist nachvollziehbar. Gerade die jüngst veröffentlichte Op-US-Studie hat gezeigt, dass die Versorgungssituation in Deutschland differenziert betrachtet werden muss und nicht auf vereinfachte Schlagworte reduziert werden kann.

Wie wir im letzten Newsletter dargestellt haben, unterscheidet sich eine ärztlich begleitete Schmerztherapie grundlegend von einem missbräuchlichen oder freizeitbezogenen Konsum – auch wenn teilweise dieselben Wirkstoffe beteiligt sein können.

Chancen und Grenzen journalistischer Recherchen

Journalistische Recherchen können dazu beitragen,

  • Missstände sichtbar zu machen,
  • VersorgungslĂĽcken aufzudecken,
  • Betroffene zu Wort kommen zu lassen,
  • politische und gesellschaftliche Diskussionen anzustoĂźen.

Gleichzeitig besteht bei komplexen medizinischen Themen immer die Herausforderung, sehr unterschiedliche Situationen voneinander abzugrenzen.

Bei Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial betrifft dies insbesondere die Unterscheidung zwischen

  • notwendiger medizinischer Behandlung,
  • iatrogen entstandenen Abhängigkeiten,
  • Fehlgebrauch,
  • Suchterkrankungen und
  • missbräuchlichem Konsum auĂźerhalb medizinischer Anwendungen.

Diese Unterschiede sind fĂĽr eine sachgerechte Bewertung von zentraler Bedeutung.

Darüber hinaus stellt sich natürlich auch die Frage nach der wissenschaftlichen Wertigkeit solcher Ansätze und welche sachlichen Antworten eine solche Untersuchung liefern kann, der Ansatz aufgrund fehlender Bezugsgrößen und methodischer Einschränkungen von vorneherein begrenzt ist.

Wie positioniert sich die Deutsche Schmerzliga?

Die Deutsche Schmerzliga unterstützt eine offene und sachliche Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken aller schmerzmedizinisch sinnvollen Wirkstoffe – auch der sog. starken Schmerzmedikamente aus der Gruppe der Opioidanalgetika.

Gleichzeitig macht sich die Deutsche Schmerzliga weder die Fragestellungen, noch die Art der Umsetzung, noch mögliche Schlussfolgerungen einer journalistischen Recherche zu eigen.

Unser Anliegen ist es, dass die Perspektive von Menschen mit chronischen Schmerzen angemessen berĂĽcksichtigt wird und dass notwendige Schmerztherapien nicht pauschal mit Missbrauch oder Suchterkrankungen gleichgesetzt werden.

Teilnahme – ja oder nein?

Ob Sie an dieser Umfrage von CORRECTIV und DER SPIEGEL teilnehmen möchten, entscheiden selbstverständlich Sie selbst. Nachfolgend dazu der Link:

Aus Sicht der DSL kann eine Teilnahme dazu beitragen, Erfahrungen und Perspektiven sichtbar zu machen, die in öffentlichen Diskussionen bislang nur wenig Beachtung finden.

Ebenso legitim ist aus unserer Sicht jedoch auch die Entscheidung, nicht teilzunehmen.

Unabhängig von Ihrer Entscheidung möchten wir Sie ermutigen, bei einer Teilnahme Ihre Erfahrungen möglichst differenziert und sachlich darzustellen. Gerade die Stimmen von Menschen, die von einer verantwortungsvoll durchgeführten Schmerztherapie profitieren, sind in solchen Diskussionen wichtig.

Ihre Erfahrungen interessieren uns

Falls Sie an der Umfrage teilnehmen oder Kontakt mit den recherchierenden Journalistinnen und Journalisten haben, freuen wir uns ĂĽber Ihre RĂĽckmeldung.

Uns interessiert insbesondere,

  • wie Sie den Kontakt erlebt haben,
  • ob Sie sich fair und respektvoll behandelt fĂĽhlten,
  • ob Ihre Situation differenziert erfasst wurde,
  • welche Themen aus Ihrer Sicht in der öffentlichen Diskussion häufig zu kurz kommen.
  • wie Sie diese Umfrage grundsätzlich bewerten und wie Sie die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass damit relevante neue und/oder bislang unbekannte Erkenntnisse gewonnen werden können.

Ihre Erfahrungen helfen uns dabei, die Perspektive von Menschen mit chronischen Schmerzen weiterhin sachlich und transparent in gesundheitspolitische und gesellschaftliche Debatten einzubringen.

Mit freundlichen GrĂĽĂźen

Ihr
Vorstand der Deutschen Schmerzliga (DSL) e.V.

Wenn Sie uns Ihre Meinung dazu mitteilen wollen,
dann schreiben Sie uns gerne an:

info@schmerzliga.de
Stichwort: Opioide und Missbrauch, Teil II

Ihre Deutsche Schmerzliga e.V.

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