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DSL-Newsletter - Gesundes Wissen Online, 26.05.2026

Deutsche Studie zu Opioiden bei chronischen Schmerzen:

Keine Hinweise auf eine US‑ähnliche Suchtwelle – aber Verbesserungsbedarf in der Versorgung

Deutsche Studie zu Opioiden bei chronischen Schmerzen:
Keine Hinweise auf eine US‑ähnliche Suchtwelle –
aber Verbesserungsbedarf in der Versorgung

Viele Menschen mit chronischen Schmerzen stellen sich Fragen wie:

„Machen Opioide abhängig?“
„Nehme ich diese Medikamente vielleicht schon zu lange?“
„Gibt es Alternativen?“

Eine große deutsche Studie hat genau diese Fragen untersucht. Die gute Nachricht: Die Forscher fanden für/in Deutschland keine Hinweise auf eine besorgniserregende Entwicklung wie in den USA, wo es zu einer schweren Opioidkrise mit massenhaftem Missbrauch und vielen Todesfällen gekommen war.

Gleichzeitig zeigte die Untersuchung aber auch: Die langfristige Behandlung mit Opioiden könnte in Deutschland an mehreren Stellen verbessert werden.

Die Ergebnisse sind besonders interessant, weil sie sich auf Menschen mit chronischen Schmerzen im deutschen Gesundheitssystem beziehen – also auf viele Situationen, die Betroffene und Angehörige aus dem Alltag kennen.

Worum ging es in der Studie?

Die Studie „Op‑US“ untersuchte die Versorgung von Menschen mit chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen, etwa bei Rücken- oder Arthroseschmerzen.

Verwendet wurden:

  • Krankenkassendaten der DAK-Gesundheit
  • Befragungen von Patienten
  • Befragungen von Ă„rzten
  • deutsche Behandlungsleitlinien

Insgesamt flossen Daten von:

  • ĂĽber 113.000 Versicherten
  • 661 Patienten
  • 422 Ă„rzten

in die Untersuchung ein.

Die Ergebnisse beschreiben also die Situation in Deutschland und lassen sich nicht automatisch auf andere Länder übertragen.

Was zeigte die Studie?
– Viele Menschen leben lange mit ihren Schmerzen

Chronische Schmerzen sind häufig langwierige Erkrankungen.

Die Studie zeigte:

  • 80 % litten bereits seit mehr als fĂĽnf Jahren unter Schmerzen.
  • Viele hatten schon ĂĽber längere Zeit Opioidverordnungen erhalten.

Für viele Betroffene geht es also nicht um eine kurzfristige Schmerzbehandlung, sondern um jahrelange Krankheitsverläufe.

Opioide werden häufig ohne ergänzende Maßnahmen eingesetzt

Leitlinien empfehlen bei chronischen Schmerzen meist mehrere Bausteine gleichzeitig:

  • Medikamente
  • Bewegung
  • Physiotherapie
  • psychologische UnterstĂĽtzung
  • spezialisierte Schmerztherapie

Die Untersuchung zeigte jedoch:

  • Rund ein Viertel erhielt praktisch nur Opioide.
  • Viele Patienten hatten kein umfassendes Behandlungskonzept.

Das bedeutet nicht automatisch eine Fehlbehandlung. Es könnte aber darauf hinweisen, dass wichtige unterstützende Angebote fehlen.

Hausärzte tragen einen großen Teil der Versorgung

Die meisten Opioidverordnungen erfolgten über Hausärzte.

Das ist grundsätzlich nachvollziehbar – Hausärzte begleiten Menschen oft über viele Jahre.

Die Studie deutet jedoch an, dass Menschen mit komplexeren Verläufen möglicherweise häufiger von spezialisierter Schmerzmedizin profitieren könnten.

Was ist mit Missbrauch und Abhängigkeit?

Hier ist eine differenzierte Betrachtung wichtig.

Die Studie sagt ausdrĂĽcklich nicht:

  • „Fast alle Patienten werden abhängig.“
  • „Deutschland erlebt dieselbe Situation wie die USA.“

Sie sagt aber auch nicht:

  • „Abhängigkeit spielt keine Rolle.“

Die Forscher fanden Hinweise auf eine kleinere Gruppe mit bestimmten Risikomerkmalen.

Dazu gehörten beispielsweise:

  • mehrere unterschiedliche behandelnde Ă„rzte
  • komplexere Krankheitsverläufe
  • häufigere psychosomatische oder psychiatrische Behandlungen
  • intensivere Nutzung medizinischer Leistungen

Die Autoren verstehen solche Muster als Warnsignale, nicht als Beweis einer Suchterkrankung.

Das bedeutet: Auffälligkeiten sollten ernst genommen werden – ohne Menschen vorschnell zu stigmatisieren.

Was bedeutet das für mich persönlich?

Wenn Sie Opioide einnehmen, bedeutet diese Studie nicht automatisch, dass Ihre Behandlung problematisch ist.

Viele Menschen profitieren von diesen Medikamenten – insbesondere bei starken Schmerzen.

Die Ergebnisse legen aber nahe, gemeinsam mit den behandelnden Ärzten regelmäßig einige Fragen zu besprechen:

âś“ Welche Ziele hat meine Behandlung?
âś“ Helfen mir die Medikamente im Alltag wirklich?
âś“ Welche Nebenwirkungen treten auf?
✓ Gibt es zusätzliche Möglichkeiten wie Physiotherapie, Bewegung oder Schmerztherapie?
✓ Wissen alle meine behandelnden Ärzte über meine Medikamente Bescheid?

Besonders wichtig:

Opioide sollten niemals eigenständig abgesetzt oder verändert werden. Veränderungen sollten immer gemeinsam mit den behandelnden Ärzten geplant werden.

Was empfehlen die Forscher?

Die Studie beschränkte sich nicht auf die Beschreibung von Problemen. Sie entwickelte auch konkrete Vorschläge zur Verbesserung. Dazu gehören:

Bessere Abstimmung zwischen Ärzten
Wenn mehrere Ärzte beteiligt sind, sollten Informationen besser ausgetauscht werden.
Ziel: Weniger Informationsverluste und mehr Ăśbersicht.

Mehr spezialisierte Schmerztherapie
Menschen mit komplizierten Krankheitsverläufen könnten von einem leichteren Zugang zu schmerzmedizinischen Angeboten profitieren.

Mehr multimodale Behandlung
Chronische Schmerzen bestehen oft aus mehreren körperlichen und psychischen Faktoren. Deshalb empfehlen Leitlinien:

  • Bewegung
  • Physiotherapie
  • psychologische UnterstĂĽtzung
  • Schmerztherapie
  • Medikamente

Opioide sollen möglichst ein Teil der Behandlung sein – nicht die gesamte Behandlung.

Regelmäßig überprüfen
Therapieziele sollten vereinbart und regelmäßig überprüft werden:

  • Hilft die Behandlung noch?
  • Ist die Dosis sinnvoll?
  • Gibt es Nebenwirkungen?
  • MĂĽssen Veränderungen vorgenommen werden?

Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?

Die Studie hat wichtige Stärken:

  • sehr groĂźe deutsche Datengrundlage
  • Patienten-, Ă„rzte- und Krankenkassenperspektive
  • Untersuchung der realen Versorgungssituation

Es gibt aber auch Grenzen:

  • Krankenkassendaten zeigen Verordnungen, nicht die tatsächliche Einnahme.
  • Befragungen beruhen teilweise auf Erinnerungen.
  • Nicht jede Auffälligkeit bedeutet automatisch Missbrauch oder Abhängigkeit.

Die Studie liefert daher Hinweise auf Risikomuster – keine endgültigen Aussagen über einzelne Menschen.

Fazit

Die gute Nachricht dieser großen deutschen Studie ist, dass sie keine Hinweise auf eine US‑ähnliche Opioidkrise gefunden hat.

Allerdings zeigt sie aber, dass Menschen mit chronischen Schmerzen möglicherweise stärker von einer besser abgestimmten, umfassenderen und langfristig begleiteten Behandlung profitieren könnten.

FĂĽr Betroffene ist die wichtigste Botschaft deshalb:

Nicht die Frage „Opioide – ja oder nein?“ steht im Mittelpunkt, sondern: „Wie kann die Behandlung möglichst gut zu mir und meinem Alltag passen?“ und „NĂĽtzen mir die mit den Opioiden erzielten Wirkungen so, wie ich es erwartet habe und wie es hilfreich wäre?“. 

Meine Empfehlung:

Wenn Sie selbst bei der ehrlichen Beantwortung dieser Fragen kein eindeutig positiven Antworten finden oder ins GrĂĽbeln kommen, dann suchen Sie den Kontakt mit Ihrem behandelnden Arzt und prĂĽfen Sie mit diesem gemeinsam ob in Ihrem Fall der Einsatz der Opioide so (noch?) sinnvoll ist.

Ihr
Michael A. Ăśberall
Präsident Deutsche Schmerzliga (DSL) e.V.



Quelle: GBA-Ergebnisbericht: Opioidhaltige Analgetika - Untersuchung zu Entwicklungstrends in der Versorgung bei nicht-tumorbedingten Schmerzen.

Wenn Sie uns Ihre Meinung dazu mitteilen wollen,
dann schreiben Sie uns gerne an:

info@schmerzliga.de
Stichwort: Deutsche Studie zu Opioiden

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