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Sparen ja – aber bitte nicht bei uns:
Die blinden Flecken der Gesundheitsdebatte



Sparen ja – aber bitte nicht bei uns:
Die blinden Flecken der Gesundheitsdebatte

Die gesetzliche Krankenversicherung steht unter Druck: steigende Zusatzbeiträge, wachsende Defizite und politische Forderungen nach Einsparungen bestimmen die Debatte.

Doch wer genau hinschaut, erkennt ein wiederkehrendes Muster:

➡️ Gespart werden soll vor allem dort, wo Leistungen erbracht werden – nicht dort, wo Verwaltung organisiert wird. Wie schon in der Corona-Krise zeigt sich neuerlich nun auch wieder mal hier, dass Deutschland vor allem eine Expertise aufzuweisen hat: die der optimalen Bürokratisierung der Mangelverwaltung.

Die bekannte Erzählung – und ihre Lücken

Krankenkassen verweisen auf steigende Ausgaben und begründen damit Beitragserhöhungen sowie Forderungen nach Leistungseinschränkungen.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.

Denn während die Kosten der Versorgung regelmäßig politisch adressiert werden, bleiben andere Kostenbereiche erstaunlich selten im Fokus – insbesondere die administrativen Strukturen des Systems.

13 Milliarden Euro Verwaltung – und kaum Debatte

Die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenversicherung belaufen sich laut Statistisches Bundesamt auf rund 13 Milliarden Euro jährlich.

Bei etwa 126.000 Beschäftigten entspricht das rechnerisch:
➡️ rund 100.000 Euro Systemkosten pro Mitarbeiter und Jahr

Diese Größenordnung wird politisch kaum hinterfragt – obwohl sie in etwa der Summe entspricht, über die an anderer Stelle im System mit großer Härte gestritten wird.

VergĂĽtung im System: Ein sensibles Ungleichgewicht

Auch die VergĂĽtungsstrukturen innerhalb der Kassen werfen Fragen auf:

  • Vorstände groĂźer Kassen verdienen ĂĽber 400.000 Euro jährlich – mehr als der Bundeskanzler!
  • Gleichzeitig bewegen sich viele Beschäftigtengehälter auf einem stabilen, teilweise ĂĽberdurchschnittlich hohen Niveau. Angestellten bei den Krankenkassen verdienen bombastisch, und zwar ohne die Qualifikationen zu besitzen, ĂĽber die Ă„rzte, Psychologen oder Zahnärzte verfĂĽgen (mĂĽssen). So reicht z.B. die alleinige Zugehörigkeit zu einer groĂźen Krankenkasse mit Sitz in Hamburg aus, um in der Hansestadt die zweithöchsten Gehälter einzufahren. Laut öffentlich zugänglichen Quellen liegt diese Krankenkasse damit im Einkommensranking noch vor den Banken der Stadt oder der bekannten Otto-Group.

Das ist für sich genommen zunächst einmal durchaus legitim.

➡️ Erklärungsbedürftig wird es jedoch, wenn parallel von Versicherten höhere Beiträge verlangt und von Leistungserbringern weitere Einschnitte erwartet werden.

Ein System schĂĽtzt sich selbst

Der Wettbewerb zwischen Krankenkassen, komplexe Steuerungsmechanismen und gewachsene Verwaltungsstrukturen haben ein System hervorgebracht, das sich zunehmend selbst stabilisiert.

➡️ Die Folge:

  • BĂĽrokratie wächst oder bleibt konstant
  • Einsparpotenziale im administrativen Bereich werden kaum gehoben
  • Reformdebatten konzentrieren sich auf die Versorgungsseite

Der medizinisch-administrative Komplex ist längst mehr als nur ein organisatorischer Rahmen – er ist zu einem eigenständigen Stabilitätsfaktor geworden.

Die stille Verschiebung zulasten der Versorgung

Während Verwaltung stabil bleibt, verschärfen sich die Probleme in der Versorgung:

  • Fachkräfte wandern aus Praxen in administrative Bereiche ab
  • BĂĽrokratische Anforderungen binden ärztliche und nichtärztliche Ressourcen
  • Niederlassung wird zunehmend unattraktiv

➡️ Die Konsequenz ist eine schleichende Verschiebung: Weniger Kapazität für Patienten – bei gleichzeitig konstantem oder wachsendem Verwaltungsapparat.

Politische Realität: Sparen nur beim Anderen

Die aktuelle Diskussion zeigt ein strukturelles Grundproblem:

➡️ Einsparungen werden regelmäßig dort gesucht, wo sie politisch durchsetzbar sind – nicht dort, wo sie systemisch möglich wären.

Ein aktuelles Beispiel liefert die Debatte um die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel:

Eine Absenkung wĂĽrde Patienten und Beitragszahler unmittelbar entlasten. Sie wird jedoch mit Verweis auf eine entstehende HaushaltslĂĽcke von rund 13 Milliarden Euro vom Bundesministerium fĂĽr Gesundheit bzw. der Bundesregierung abgelehnt.

➡️ Bemerkenswert ist die Parallele: Genau diese Größenordnung entspricht den jährlichen Verwaltungskosten der Krankenkassen.

Fazit: Der blinde Fleck bleibt bestehen

Die gesundheitspolitische Debatte in Deutschland folgt einem erkennbaren Muster:

  • Leistungen werden hinterfragt
  • Beiträge werden erhöht
  • Strukturen bleiben weitgehend unangetastet

Die großen Effizienzpotenziale im System liegen jedoch nicht ausschließlich in der Versorgung – sondern auch in den administrativen Strukturen.

Perspektive: Warum sich daran wenig ändern wird

So naheliegend strukturelle Reformen erscheinen – ihre Umsetzung ist politisch unwahrscheinlich.

➡️ Denn sie würden genau jene Akteure betreffen, die an ihrer eigenen Reduktion mitwirken müssten.

Ob Krankenkassen, Politik oder andere Institutionen: Wenn es um Einsparungen im eigenen Verantwortungsbereich geht, entsteht auffallend schnell Einigkeit – im Stillhalten.

Das Ergebnis ist ein impliziter Konsens:
➡️ Gespart wird im System – aber möglichst nicht im eigenen Haushalt.

Position der Deutschen Schmerzliga e.V. (DSL)

Die DSL hält es für notwendig, diesen blinden Fleck offen zu benennen und fordert:

  • echte Transparenz ĂĽber administrative Kosten
  • konsequenten BĂĽrokratieabbau in der Versorgung
  • eine ehrliche Debatte ĂĽber Strukturreformen im Kassensystem
  • die RĂĽckbesinnung auf Sinn und Zweck des Gesundheitssystems: die Patientenversorgung

Was meinen Sie dazu?
Haben Sie eine Meinung, die Sie teilen möchten? Dann schreiben Sie uns doch einfach an die nachfolgend genannte E-Mail. Wir freuen uns. 

Mein persönlicher Schlussgedanke
Ein nachhaltiges Gesundheitssystem braucht mehr als Beitragserhöhungen und Leistungskürzungen.

Es braucht den Mut, auch dort hinzuschauen, wo Veränderungen unbequem sind. Genau daran fehlt es jedoch schon längere Zeit.

Ihr
Michael A. Ăśberall
Präsident Deutsche Schmerzliga e.V.

Wenn Sie uns Ihre Meinung dazu mitteilen wollen,
dann schreiben Sie uns gerne an:

info@schmerzliga.de
Stichwort: Die blinden Flecken der Gesundheitsdebatte

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