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Medizinalcannabis: Neue Chancen fĂĽr Menschen mit chronischen Schmerzen


Medizinalcannabis: Neue Chancen fĂĽr Menschen mit chronischen Schmerzen

Experten aus Medizin, Wissenschaft und Politik diskutieren in Berlin über die Rolle von Cannabis in der Schmerztherapie. Neue Studiendaten zeigen: Für viele Patienten kann die Therapie Lebensqualität zurückbringen – vorausgesetzt, sie wird verantwortungsvoll und ärztlich begleitet eingesetzt.

Wenn Schmerzen den Alltag bestimmen –
welche Rolle kann Medizinalcannabis spielen?

Für viele Menschen mit chronischen Schmerzen ist der Alltag eine große Herausforderung. Arbeiten, schlafen, sich bewegen, am sozialen Leben teilnehmen oder einfach spontan Freude zu empfinden angesichts frühlingshaft steigender Temperaturen und strahlenden Sonnenscheins – vieles wird durch chronische Schmerzen erschwert.

Nicht immer helfen klassische Schmerztherapien ausreichend. Deshalb suchen Ärztinnen und Ärzte zunehmend nach zusätzlichen Behandlungsmöglichkeiten. Eine davon ist Medizinalcannabis, dessen Einsatz in den vergangenen Jahren auch in Deutschland stärker in den Fokus gerückt ist.

Welche Chancen diese Therapie für Patientinnen und Patienten bietet – und unter welchen Voraussetzungen sie sinnvoll eingesetzt werden kann – war Thema eines Parlamentarischen Abends in Berlin, bei dem Vertreter aus Medizin, Wissenschaft und Politik über die Zukunft der Cannabistherapie diskutierten.

Parlamentarischer Abend zu Medizinalcannabis:
Therapieoption fĂĽr Schmerzpatienten am 05.03.2026 in Berlin

Rund 130 Gäste nahmen an der Veranstaltung in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft teil. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie Medizinalcannabis verantwortungsvoll in der medizinischen Versorgung eingesetzt werden kann und wie sich diese Nutzung klar vom Freizeitkonsum unterscheiden lässt.

Aus Sicht vieler Expertinnen und Experten kann Cannabis bei bestimmten Erkrankungen – insbesondere bei chronischen Schmerzen – eine wichtige ergänzende Therapieoption sein.

Medizinischer Einsatz statt ideologischer Debatte

Zur Eröffnung betonte Frank Staud, Executive Vice President Global Communications & Government Affairs bei der STADA Arzneimittel AG, dass der medizinische Einsatz von Cannabis vor allem unter einem Gesichtspunkt betrachtet werden sollte: der bestmöglichen Versorgung von Patientinnen und Patienten.

Medizinalcannabis sei eine evidenzbasierte Therapieoption fĂĽr schwer kranke Menschen und sollte daher nicht ideologisch diskutiert, sondern medizinisch bewertet werden.

Klare Trennung zwischen Therapie und Freizeitkonsum

Ein zentrales Thema der Diskussion war die klare Unterscheidung zwischen medizinischer Anwendung und Freizeitkonsum.

Prof. Dr. Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen und Mitglied des Deutschen Bundestages, betonte, dass Medizinalcannabis Teil einer ärztlichen Therapie sei und daher auch entsprechend verantwortungsvoll eingesetzt werden müsse.

„Medizinalcannabis ist kein Lifestyle-Produkt, sondern eine ernstzunehmende Therapieoption. Voraussetzung ist immer eine sorgfältige ärztliche Diagnostik und Begleitung.“ (Prof. Dr. Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen)

Besonders wichtig sei der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt, damit eine sorgfältige Diagnose gestellt und eine individuell passende Behandlung entwickelt werden kann. Rein digitale Verschreibungen ohne ausreichende ärztliche Begleitung sieht er daher kritisch.

Schmerzmedizinische Expertise im Mittelpunkt

Die anschlieĂźende Diskussion wurde von der Journalistin Susan Knoll (Der Tagesspiegel) moderiert.

Am Panel nahmen mehrere Expertinnen und Experten aus Medizin und Politik teil:

  • PD Dr. med. Michael Ăśberall, Präsident der Deutschen Schmerzliga und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft fĂĽr Schmerzmedizin
  • Dr. Claudia Böttge-Wolpers, Fachärztin fĂĽr Allgemeinmedizin sowie Schmerz- und Palliativmedizin
  • Prof. Dr. Thomas Herdegen, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
  • Serdar YĂĽksel, Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD)
  • Dr. Thomas Pauls, Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU/CSU)

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welchen Stellenwert Cannabinoide in der Behandlung chronischer Schmerzen haben können.

v.l.: Serdar Yüksel, MdB, Frank Staud, Stada, Prof. Dr. Thomas Herdegen, Susan Knoll, Dr. Thomas Pauls, MdB, Dr. Claudia Böttge-Wolpers und PD Dr. Michael Überall (Foto: axentis/Lopata)

Wie Cannabinoide Schmerzen beeinflussen können

Prof. Dr. Thomas Herdegen erläuterte, dass Cannabinoide über das sogenannte Endocannabinoid-System im menschlichen Körper wirken. Dieses System spielt unter anderem eine Rolle bei der Regulation von Schmerz, Stimmung, Schlaf und Stress.

In der Schmerztherapie können Cannabinoide dabei helfen,

  • Schmerzsignale zu modulieren
  • das sogenannte Schmerzgedächtnis zu beeinflussen
  • Begleitsymptome wie Schlafstörungen oder Angst zu lindern.

Gerade bei chronischen Schmerzsyndromen kann eine individuell angepasste Therapie daher sinnvoll sein.

CARE-Studie: Neue Erkenntnisse fĂĽr die Versorgung

Ein wichtiger Beitrag kam von PD Dr. Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga.

Er stellte Ergebnisse der CARE-Studie vor, einer Versorgungsstudie mit 968 Patientinnen und Patienten, deren Ergebnisse kurz vor der Veröffentlichung im Journal of Pain Research stehen.

Untersucht wurde der Einsatz von CBD-dominanten Cannabisextrakten im medizinischen Alltag ĂĽber einen Zeitraum von sechs Monaten.

Die Ergebnisse zeigen:

  • 86 Prozent der Patientinnen und Patienten profitierten von der Therapie
  • viele berichteten ĂĽber eine Verbesserung ihrer Alltagsfunktion
  • Schmerzen konnten reduziert werden
  • teilweise konnte auch Begleitmedikation, darunter Opioide, verringert werden 

„Für viele Patientinnen und Patienten geht es nicht nur darum, Schmerzen zu reduzieren – sondern darum, wieder mehr Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alltag zu gewinnen.“ (PD Dr. med. Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga)

BĂĽrokratische HĂĽrden im Versorgungsalltag

Trotz dieser positiven Entwicklungen bestehen weiterhin Herausforderungen.

Die Schmerz- und Palliativmedizinerin Dr. Claudia Böttge-Wolpers machte darauf aufmerksam, dass die Verordnung von Medizinalcannabis häufig mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden ist.

Insbesondere die Regelung im § 31 Abs. 6 SGB V führt häufig zu aufwendigen Genehmigungsverfahren und uneinheitlichen Entscheidungen der Krankenkassen.

Viele Ärztinnen und Ärzte wünschen sich daher klarere und praktikablere Regelungen, um Patientinnen und Patienten schneller helfen zu können.

Fazit: Chancen für Schmerzpatienten –
unter klaren medizinischen Bedingungen

Am Ende der Diskussion herrschte unter den Teilnehmenden – darunter auch die Bundestagsabgeordneten Serdar Yüksel von der CDU und Dr. Thomas Pauls von der SPD (beide Mitglieder des Gesundheitsausschuss) – weitgehend Einigkeit:

Medizinalcannabis kann fĂĽr viele Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen eine wertvolle Therapieoption sein. Gleichzeitig braucht es klare medizinische Standards und eine deutliche Abgrenzung zum Freizeitkonsum.

Aus Sicht der Schmerzmedizin und der Deutschen Schmerzliga steht dabei vor allem eines im Mittelpunkt: eine sichere, evidenzbasierte und patientenorientierte Versorgung.

âś… Kurz zusammengefasst

  • Chronische Schmerzen betreffen viele Menschen im Alltag
  • Medizinalcannabis kann in bestimmten Fällen eine wichtige Therapieoption sein
  • Neue Versorgungsdaten zeigen positive Effekte bei vielen Patienten
  • Voraussetzung ist eine sorgfältige ärztliche Begleitung
  • Ziel bleibt eine bessere Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen

Wenn Sie uns Ihre Meinung dazu mitteilen wollen,
dann schreiben Sie uns gerne an:

info@schmerzliga.de
Stichwort: Medizinalcannabis - neue Chancen

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