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Restless-Legs-Syndrom:
häufig, belastend – und lange unterschätzt


Restless-Legs-Syndrom: häufig, belastend – und lange unterschätzt

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS), auf Deutsch auch „Syndrom der unruhigen Beine“, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen – und dennoch vielen Menschen kaum bekannt. Schätzungen zufolge sind 5–10 % der Bevölkerung betroffen. Bei etwa 2–3 % sind die Beschwerden so ausgeprägt, dass sie behandlungsbedürftig sind.

Typisch für RLS ist ein starker Bewegungsdrang der Beine, meist begleitet von unangenehmen Missempfindungen wie Kribbeln, Ziehen oder Brennen. Die Symptome treten vor allem in Ruhe, abends oder nachts auf und bessern sich kurzfristig durch Bewegung. Gerade deshalb führt RLS häufig zu Ein- und Durchschlafstörungen, Tagesmüdigkeit und einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität.

Wer ist betroffen?

  • Frauen erkranken etwas häufiger als Männer
  • Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten
  • Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit zu
  • Bei vielen Betroffenen gibt es familiäre Häufungen, was auf genetische Faktoren hinweist

RLS tritt oft nicht allein auf, sondern kann mit anderen Erkrankungen wie Eisenmangel, Nierenerkrankungen, Diabetes oder neurologischen Erkrankungen verbunden sein. Auch bestimmte Medikamente können die Symptome verstärken.

Ein Blick in die Geschichte

Die Beschwerden des Restless-Legs-Syndroms wurden bereits im 17. Jahrhundert erstmals beschrieben. Als eigenständige Erkrankung wurde RLS jedoch erst 1945 durch den schwedischen Neurologen Karl-Axel Ekbom systematisch charakterisiert – weshalb man früher auch vom Ekbom-Syndrom sprach.

Lange Zeit galt RLS als psychosomatisch oder wurde nicht ernst genommen. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich das Verständnis deutlich verbessert: Heute weiß man, dass es sich um eine echte neurologische Erkrankung handelt, bei der unter anderem der Eisenstoffwechsel im Gehirn und bestimmte Botenstoffe (v. a. Dopamin) eine Rolle spielen.

Warum neue Therapieansätze so wichtig sind

Mit der besseren Erforschung des RLS wurde auch klar, dass frühere Standardtherapien zwar kurzfristig halfen, langfristig aber Probleme verursachen konnten. Dieses wachsende Wissen hat in den letzten Jahren zu einem Umdenken in der Behandlung geführt – mit neuen, sichereren und individuelleren Therapieoptionen.

In den letzten Jahren wurden deshalb Empfehlungen fĂĽr die RLS-Behandlung ĂĽberarbeitet.

Besonders wichtig ist:

➡️ Riskante Langzeittherapien mit Dopaminmitteln werden zunehmend nicht mehr empfohlen. Früher waren Stoffe wie Pramipexol, Ropinirol oder andere Dopamin-Agonisten Standard – heute zeigt sich, dass sie langfristig zu einer symptomatischen Verschlechterung führen können (sogenannte Augmentation, bei der die Beschwerden nicht nur zunehmen, sondern auch früher am Abend und stärker auftreten als zuvor).

➡️Bewährte, aber neu priorisierte Medikamente

Alpha-2-Delta Wirkstoffe (z. B. Gabapentin, Pregabalin)
Diese Medikamente (ursprünglich bei Nervenschmerzen/Anfallsleiden eingesetzt) werden jetzt stärker empfohlen, weil sie die Symptome lindern können ohne das Risiko der Verschlechterung wie bei Dopaminmitteln.

Für viele Betroffene können diese Mittel eine gute erste medikamentöse Option sein, besonders wenn die Beschwerden chronisch sind.

➡️Innovative nicht-medikamentöse Therapie: Nervenstimulation

Ein tragbares Gerät, das hochfrequente elektrische Impulse an die Nerven der Beine sendet (insbesondere den Peroneus-Nerv), hat in neueren Studien gezeigt, dass es die Beschwerden merklich reduzieren kann — vor allem bei moderaten bis schweren Fällen.

Dieses tragbare neurostimulative System wird vor dem Schlafengehen angelegt und kann die unangenehmen Missempfindungen dämpfen, ohne Medikamente einzunehmen.

➡️Opioide in Ausnahmefällen

In ausgewählten schweren Fällen, wenn alle anderen Therapien nicht wirken, kann eine sehr niedrig dosierte Opioid-Therapie (z. B. langwirkende Präparate) erwogen werden. Diese Option wird vorsichtig und unter strenger ärztlicher Kontrolle empfohlen, weil sie Risiken birgt.

➡️Eisenstatus prüfen und verbessern

Da ein Eisenmangel im Gehirn oft mit RLS verbunden ist, gehört die Kontrolle und ggf. Behandlung von Eisenmangel inzwischen zum Therapie-Standard. Dazu können orale oder intravenöse Eisen-Gaben gehören, wenn die Blutwerte entsprechend niedrig sind. 

Alltagstipps und Lebensstil

Schon einfache Veränderungen im Alltag können RLS-Symptome lindern:

  • Bewegung und körperliche Aktivität tagsĂĽber
  • Vermeidung von Koffein, Alkohol und bestimmten Medikamenten, die RLS verschlechtern können
  • Gute Schlafhygiene

Auch solche Maßnahmen werden in modernen Leitlinien betont, weil sie oft einen spürbaren Unterschied machen können.

Fazit – Das sollten Patienten wissen

➡️ Die Behandlung von RLS ist heute individueller und sicherer geworden:

✔️ Neuere Medikamente wie Gabapentin & Pregabalin sind oft besser verträglich.
✔️ Innovative technologische Therapien können ohne Tabletten auskommen.
✔️ Risikoreiche Langzeitgaben von Dopaminmitteln werden nicht mehr empfohlen.
✔️ Eisenmanagement und Lebensstil spielen eine wichtige Rolle.

Für Betroffene bedeutet das: mehr Optionen, mehr Sicherheit und individuellere Therapieansätze – idealerweise gemeinsam mit dem behandelnden Arzt abgestimmt.

 

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Stichwort: Restless-Legs-Syndrom

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